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Diversität wertschätzen? … oder doch lieber im Schweinsgalopp sausen?

Ein ‚improvisierter‘ Erfahrungsbericht über Begegnung mit Diversität

von Tanja Moschke-Becker am 28. 5.2019

Improvisationstheater ist spannend und öffnet mehr die Augen, als mir bewusst war. Wir sollten im Rahmen eines Kurses eine Geschichte aus der Perspektive einer Person erzählen. Person, Umstände & Ort werden vom Publikum vorgegeben. Der Clou der Übung ist, dass ein interessanter & stringenter Erzählstrang entsteht – obwohl viele Personen beteiligt sind. Wir waren 4 Personen, die sich teilweise mitten im Satz gegenseitig ablösten und die Geschichte vom Vorerzähler aufnahmen und dann fortspinnen sollten.

Wie fühlt es sich an, wenn der Vorredner eine gänzlich andere Idee einbringt als den Erzählstrang, den man selber schon im Kopf hatte? Wie geht man mit anderen Ideen um?

Ich jedenfalls war kurz erschrocken. Wie schnell würgte ich die Einladung für neue Handlungen ab, statt sie als Geschenk zu nehmen. Im Gegenteil, ich war damit beschäftigt, die Geschichte so umzubiegen, dass ich meine Ideen noch halbwegs unterbringen konnte.

Mir fällt die Stellungnahme des Grünen Politikers Robert Habeck ein, der sich von Twitter lossagte, weil er in öffentlichen Diskussionen nicht mehr zuhörte, sondern primär damit beschäftigt war, ein zitier-taugliches Statement unterzubringen.

Auch unsere Gruppe reitete im Schweinsgalopp durch die Geschichte und ließ das Publikum nicht an einem Ereignis ankommen. So traf unsere Hauptdarstellerin – eine dem Alkohol zugeneigte Winzerin in der Toskana – auf Banditen, Wölfe, den schiefen Turm von Pisa – bis sie dann schließlich am Ende in den Armen eines Wirtes ihre Ruhe fand. Etwas viel für eine nur zwei minütige Geschichte, nicht wahr?

Wir lernen aus dieser Geschichte, dass – will man Diversität wertschätzen – eine gewisse Offenheit, Zuhören und Interaktion auf Augenhöhe stattfinden sollte. Dies gilt nicht nur für Improvisationstheater, sondern auch für politische Diskussionen und in Unternehmen. Im Unternehmenskontext kann der Umgang mit Diversität mithilfe Cocreation-Tools erlernt werden.

Ihr könnt die Übung auch zu Hause ausprobieren! Ab zwei Erzählern wird diese Übung auch schon privat heiter und endet hoffentlich nicht in einer Loriot-Geschichte.

Dies ist mein Beitrag zum heutigen #Diversity-Tag
#Cocreation #Improvisationstheater #Habeck #Diversität

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