(Er-)lebst du schon oder reist du noch pauschal?

Der Sommer ist vorbei und die meisten unserer Freunde haben bereits ihre Urlaubsgeschichten mit uns geteilt. Schön muss es vielerorts gewesen sein. Wer kennt sie nicht, die Erzählungen von dem perfekten Pool mit vielen Rutschen, das wunderbare Buffet, die abendlichen Shows…
Bei mir stellen sich da die Nackenhaare auf. Aus Neid? Nein, ganz klar nicht – obwohl wir dafür oberflächlich betrachtet vermeintlich Gründe gehabt hätten. Wir mussten auf einen lokalen Hotelbesitzer reagieren, der uns die versprochenen Zimmer nicht bereitstellte – mit der Konsequenz, dass sich unsere 3 Kinder gemeinsam auf einem Ehebett arrangieren mussten.

Und … hat und diese Unverfügbarkeit geschadet?! Nein, vielleicht sogar im Gegenteil.

Gemeinsam haben wir etwas Überraschendes erlebt und haben einen Weg gefunden, darauf zu reagieren. Wir für uns sind zusammengerutscht und konnten auf den Hotelbesitzer reagieren, indem wir unseren Konsum auf andere Restaurants lenkten. Wir fühlten uns wirksam und lebendig.

Und wie geht es den Touristen von großen Hotelanlagen, Kreuzfahrtschiffen oder den aktuell von der Insolvenz betroffenen Thomas Cook-Kunden?
Mit der Buchung einer solchen Reise werden Überraschungen oder Unvorhergesehenes weitgehend ausgeschlossen. Wenn wir so etwas buchen, haben wir vermeintlich die Kontrolle über unseren Urlaub. Wir buchen eine perfekt ausgestaltete Urlaubswelt und verschließen uns damit doch gleichzeitig vor neuen Erfahrungen und sozialen Interaktionen, die eine individuelle Buchung so mit sich bringt. Wenn Enttäuschungen passieren, dann empfinden wir sie als viel frustrierender, weil wir kaum Varianten an Reaktionen zeigen können. Die Hotelanlage ist bereits komplett gebucht, die Kreuzfahrtreise hat ein fest durchgetacktes Programm und auch die gestrandeten Touristen von Thomas Cook, die im Fernsehen zu sehen waren, machten einen verzweifelten Eindruck.

Auch im Management gilt es, nicht starr kontrollieren zu wollen sondern variantenreich zu agieren. Dafür ist eine möglichst breite Platte von Arbeitsinstrumenten wichtig, um auf die konkrete Reaktion angemessen reagieren zu können. Wenn wir das Gefühl haben, nicht wirksam sein zu können, verschließen wir uns verlieren den Kontakt zu unserem Umfeld – den Kollegen, Chefs oder auch dem Markt.

So kriegt die Frage nach dem Urlaub eine ganz andere Bedeutung … erlebst du oder kontrollierst du?

Dies ist mein Beitrag zum heutigen #Herbstanfang, #ThomasCook #Unverfügbarkeit

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